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Gründungsmythos

Unser Team traf sich erstmals am 5. Mai 2001 in der Essener Straße, in Erfurts schönem Norden, zum ersten Training des neuen Thüringer Clubs. Wir waren damals nicht mehr als 14 Leute, hatten aber eine Menge Spaß beim ersten Kontakt mit dem gewöhnungsbedürftigen Ball.

Seither kamen mehr Interessenten hinzu, als gingen. Ganz besonders haben wir uns über unsere Veteranen Andrej Sokolov, Bernd Körber und Michael Hein gefreut. Alle drei waren damals fit wie Turnschuhe und bereicherten unser Team mit ihrer Erfahrung und Spielfreude. Auch zu erwähnen sind unsere zwei Frauen der ersten Stunde im Team - Kati Steinbrück und Tanja Hahn. Sie hielten uns aus und auch mit uns mit – im oftmals harten Training auf dem Platz und im double B, unserem Pub.

Weiterhin würden die Erfurt Oaks nicht existieren, gäbe es da nicht den großen, bärtigen Mann – unseren Gründungstrainer Michael Flohr.

 Michael Flohr

 

Erfurter Eichen - unser Name

Wenige andere Sportarten haben für ihre Nationalmannschaften spezielle Namen. Im Rugbysport ist das selbstverständlich. Die All Blacks aus Neuseeland, die Wallabies Australiens, die südafrikanischen Springboks, die Pumas aus Argentinien oder auch die Les Tricolores Frankreichs schöpfen aus ihren traditionellen Namen Kraft, Energie und Selbstvertrauen.

Ein Jahr nach der Gründung des Clubs, im Jahr 2001, hielten wir uns eines Teamnamens für würdig. Die Mannschaft war gefestigt, die ersten Spiele haben wir mehr recht als schlecht überstanden und unsere Gegner begannen uns erst zu nehmen. Aber welcher Name passt am besten zu uns? Welcher Name symbolisiert uns? Welcher Name ist Ausdruck unseres Selbstverständnisses? Wie sich herausstellte, war dies keine leichte Aufgabe.

 
Es gab viele gute und einige weniger glückliche Vorschläge, wie etwa Vollzeitalkoholiker Erfurt (VAE Erfurt), Erfurter Barbaren, Die fantastischen 15 (Fanta 15) usw. Unser zukünftiger Name sollte aber mehr ausdrücken, als unsere Lebenseinstellungen. Er sollte sich zudem mit der Region verbinden lassen. So kamen wir auf den zugegebener Maßen originellen Namen Erfurter Puffbohnen. Aus welchen Gründen der Name verworfen wurde, ist wohl klar. Obwohl das Gemüse, also die Puffbohne, im Mittelalter neben der Kartoffel ein Grundnahrungsmittel für uns Erfurter war.
 
An einem dieser heiß diskutierten Abende in unserem Pub, dem Double B, muss es dann irgendwem irgendwann entfahren sein. Leider lässt sich nicht mehr 100%-ig nachverfolgen, von wem genau das Wort stammt. Ist ja eigentlich auch egal, wenn Sascha Nenninger, unser Clubgründer nicht so ein Egomane wäre. Also wir glauben ganz offiziell daran, das er es war! So erhielten wir den Namen Erfurt OAKs und sind eigentlich auch ganz glücklich damit...
 

 

Gemälde: Eiche im Schnee von Caspar David Friedrich

     

Die Eichenbäume

Aus den Gärten komm ich zu euch, ihr Söhne des Berges!
Aus den Gärten, da lebt die Natur geduldig und häuslich,
Pflegend und wieder gepflegt mit dem fleißigen Menschen zusammen.
Aber ihr, ihr Herrlichen! steht, wie ein Volk von Titanen
In der zahmeren Welt und gehört nur euch und dem Himmel,
Der euch nährt` und erzog, und der Erde, die euch geboren.
Keiner von euch ist noch in die Schule der Menschen gegangen,
Und ihr drängt euch fröhlich und frei, aus der kräftigen Wurzel,
Unter einander herauf und ergreift, wie der Adler die Beute,
Mit gewaltigem Arme den Raum, und gegen die Wolken
Ist euch heiter und groß die sonnige Krone gerichtet.
Eine Welt ist jeder von euch, wie die Sterne des Himmels
Lebt ihr, jeder ein Gott, in freiem Bunde zusammen.
Könnt ich die Knechtschaft nur erdulden, ich neidete nimmer
Diesen Wald und schmiegte mich gern ans gesellige Leben.
Fesselte nur nicht mehr ans gesellige Leben das Herz mich,
Das von Liebe nicht läßt, wie gern würd ich unter euch wohnen.

Friedrich Hölderlin (1770-1843) im August 1796

 

Die Bedeutung

Ihr wisst es alle, "Erfurt OAKs" bedeutet "Erfurter Eichen". Nun lässt sich der Name aufspalten. Erfurter Eichen kann einerseits auf unsere geschichtsträchtige Landeshauptstadt verweisen, andererseits auf unser kollektives Selbstverständnis. Wir sind keine Borg! Bei uns kann jeder tun und lassen was er will, solange es dem Club und dessen Mitgliedern dient und nicht schadet. Wir trainieren und spielen hart, engagieren uns mit aller Kraft für eine bessere Gesellschaft (Soziale Woche), pflegen die harmonische Gemeinschaft, verfolgen eine freundschaftliche Kooperation mit anderen Sportlern, Sportarten sowie Sportorganisationen und lieben Spaß, Musik und das gute Leben. In unseren Reihen findet man sämtliche Sozialstrukturen wieder. Das fängt an beim Studenten, Doktoranten, Philosophen und geht über in Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger, Schüler, weiter über Agenturbesitzer, Finanzexperten und Banker, bis hin zu Handwerkern, Freimaurern und ebengenannten Vollzeitbiertrinkern.

Erfurt ist eine grüne Stadt. Ganz und gar. Wer sich auf die Socken macht und die Stadt zu Fuß erkundet, wird dies schnell bemerken – und zu schätzen lernen. Schließlich ist Erfurt ja auch die Hauptstadt des „grünen Herzens Deutschlands“, wie die Thüringer ob ihrer zahllosen Naturschönheiten ihre Heimat liebevoll rühmen. Wer sich also beim Spaziergang durch Erfurts historische Altstadt ausruhen möchte, kann das in den großen und kleinen Park- und Grünanlagen tun. Flora und Fauna der Stadt werden geprägt von 550 Hektar Erholungsfläche, ca. 2.000 Hektar Wald und 379 Hektar Wasserfläche sowie von 156 Kilometern Flussläufen. Wald nimmt heute ca. 7% der Stadtfläche ein. Steigerwald und Willroder Forst sind Teil eines von Thüringen an die EU gemeldeten FFH-Gebietes. Die ausgedehnten Eichen-Haibuchenwälder sind etwas Besonderes.

Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Erfurt war lange Zeit eng mit dem Steigerwald verbunden, er lieferte Nahrung, Baumaterialien und Brennholz. Die extreme Holzentnahme erschöpfte oftmals die Waldressourcen. Erst im 19. Jahrhundert mit Einführung der geordneten Forstwirtschaft konnte eine Verbesserung des Waldzustandes eingeleitet werden, und neben der Nutzung trat die stadtnahe Erholung in den Vordergrund.

 

Die Geschichte

Die Eiche wurde einst als heilig verehrt. Ihr hartes Holz und ihr spät fallendes Laub machten sie zum Symbol für Unsterblichkeit und Standhaftigkeit. Sie ist zudem Symbol für Wahrheit und Zuverlässigkeit. Hölderlin dichtete ihr symbolisch Willenstärke an und Caspar David Friedrich malte sie als den deutschen Baum. Das Eichenlaub erhielt man für Heldentaten und immer wieder hört man von deutschen Wäldern voller Eichen in Wort und Bild. Das Mädchen auf dem 50 Pfennig-Stück würde ohne die Einführung des Euro noch immer eine Eiche pflanzen. Doch das Symbol blieb erhalten, auch wenn nur noch ein Zweig die kleinen Cent-Kupfermünzen aus Deutschland schmückt. Genug Symbolik enthielt sie auch für Joseph Beuys, der 1982 zur documenta 7 "7000 Eichen" pflanzte. Eine argwöhnisch beäugte doch bald geliebte und heute legendäre Aktion. Die Zahl der Gaststätten mit dem Namen "Deutsche Eiche" allerdings geht kontinuierlich zurück.

Wälder und Haine waren die Tempel der Germanen. Die Germanen hatten viele Götter und jedem war eine Baumart geweiht. In den heiligen Eichenhainen, die Unberufenen zu betreten bei Todesstrafe verboten war, wurden den Göttern Opfer dargebracht. Die Eiche galt als Symbol der Ewigkeit, denn sie erreichte ein Alter von über 30 Menschengenerationen. Der mächtige Laubbaum war Donar, dem Gott der Blitze und des Donners geweiht. Man nahm früher an, dass mehr Blitze in die Eiche einschlagen, als in andere Bäume (Vor Eichen sollst du weichen...). Als Zeichen der Überlegenheit des Christentums ließ der heilige Bonifazius (680 – 755) die riesige Donaueiche "Irminsul" fällen. Die junge Frau, die auf der Rückseite des Fünfzigpfennigstücks beim Pflanzen einer jungen Eiche dargestellt ist, symbolisiert den Neuanfang der Bundesrepublik.

Der Name Eiche leitet sich vom Lateinischen esca (= Speise) ab, was auf die große Bedeutung der Eicheln für die Schweinemast hinweist. In unseren Wäldern gibt es zwei heimische Eichenarten, die Stiel- und die Traubeneiche (Quercus petrae). Bei der Stieleiche sitzen die Früchte an langen Stielen und bei der Traubeneiche gehäuft zusammen. Die Stieleiche führt den lateinischen Artnamen Quercus robur. "Robur" heißt Kraft. Doch wie die Waldschadensberichte zeigen, scheint ihre Kraft gebrochen. Bundesweit ist die Eiche die am stärksten durch Abgase geschädigte Baumart. Die Eiche war 1989 der erste "Baum des Jahres". Die Eichen haben für die Wälder eine große ökologische Bedeutung, eine Vielzahl von Tieren – vor allem Insekten – und Moose leben auf diesem Baum.

 Gemälde von Peter Jansen: Bonifatius fällt eine dem heidnischen Kult geweihte Eiche im Steigerforst 

Seine schriftliche Ersterwähnung im Jahr 742 n. Chr. hat Erfurt einem Angelsachsen zu danken: Bonifatius. Im Herbst 723 soll er im Schutze der fränkischen Befestigung Büraburg, bei Geismar, eine den alten Hessen heilige Donar-Eiche gefällt haben. Der Düsseldorfer Historienmaler Peter Janssen hat um 1880 die Szene, verlegt allerdings in ein nahes Gehölz, großformatig im Festsaal des neugotischen Erfurter Rathaus vergegenwärtigt.

"Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung", unter diesem provozierenden Motto firmierte 1982 die bis dahin größte Kunstaktion in Deutschland: Joseph Beuys' Projekt "7000 Eichen" für die documenta 7 in Kassel. 7000 Basaltblöcke, in einer Keilformation arrangiert, deren Spitze auf das erste gepflanzte Bäumchen wies, stapelten sich vor dem Museum Fridericianum. Ein mächtiger Berg, der mit der Zeit versetzt werden sollte. Der Künstler erlebte das vorläufige Ende der spektakulären Pflanzaktion, bei der neben jeden gepflanzten Baum eine Basalt-Stele zu setzen war, nicht mehr; Beuys starb im Januar 1986. Für ihn stellte das Bäumepflanzen eine paradigmatische Verwirklichung seiner Auffassung von der den musealen Kontext überschreitenden "Sozialen Plastik" dar. "Wir wollen das Bäumepflanzen ja nie mehr beenden", formulierte er als ökologische wie auch symbolische Zukunftsdimension seiner Aktion.

Bonifatius und Beuys verweisen kontrapunktisch auf den reichen kulturgeschichtlichen Kontext der Baum- und insbesondere der Eichensymbolik. Diesen Spannungsbogen aufnehmend stellt die Kunsthalle Erfurt künstlerische Arbeiten vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis heute vor, die sich der legendären Baumfällung des Bonifatius, dem Baum (dem heiligen Baum) oder der Eiche (der Deutschen Eiche) widmen.

Foto: Beuys pflanzt die Erste der 7000 Eichen zur Documenta 7 in Kassel 

Quellen:
     www.erfurt.de
     www.kunsthalle-erfurt.de
     www.museenköln.de
     www.sdw.de

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